Tafel an der verhüllten Fries-Büste

Philosoph*innen verhüllen Fries-Büste

Die Büste von Jakob Friedrich Fries bleibt bis auf Weiteres verhüllt.
Tafel an der verhüllten Fries-Büste
Foto: Gloria Freitag
  • Aktivitäten am Institut

Meldung vom: 17. Juli 2020, 07:00 Uhr

verhüllte Fries-Büste verhüllte Fries-Büste Foto: Gloria Freitag

Seit Beginn des Wintersemesters 2000/01 befindet sich eine Büste von Jakob Friedrich Fries (1773-1843) im Hörsaal Z1 des Philosophischen Instituts in der Zwätzengasse 12.

Sie wurde neben Büsten von Fichte, Schelling, Hegel und Frege platziert, die bereits in den Jahren zuvor aufgestellt wurden. Alle fünf wurden auf diese Weise als bedeutende Philosophen, die in Jena gewirkt haben, ausgezeichnet und gewürdigt. Fries gilt dabei als Repräsentant einer nicht-idealistischen, auf die Naturwissenschaften bezogenen, wissenschaftstheoretischen und im weitesten Sinne analytischen Tradition in Jena.

Neben seinen philosophischen Arbeiten veröffentlichte Fries 1816 eine polemische Schrift mit dem Titel "Über die Gefährdung des Wohlstandes und Charakters der Deutschen durch die Juden", die unmittelbar nach ihrem Erscheinen eine Kontroverse auslöste. Im gleichen Jahr wechselte Fries von Heidelberg nach Jena, um eine Professur für Philosophie zu übernehmen. Auch in anderen Schriften zwischen 1814 und 1817 finden sich scharfe, gegen das Judentum gerichtete Äußerungen.

Diese Problematik wurde während der feierlichen Aufstellung der Fries-Büste zu Beginn des Wintersemesters 2000/01 und auch zuvor, bei einer ihm gewidmeten Tagung (1997) thematisiert. Dennoch vertrat damals eine Mehrheit am Institut die Ansicht, dass diese Äußerungen als zeitbedingt zu verstehen seien und dass das Institut deshalb eine philosophische Ehrung von Fries mit einer Büste durchaus vornehmen könne.

Bereits 1873 war Fries mit einem Denkmal am Fürstengraben geehrt worden, das sich auch heute noch dort befindet. Es verweist nicht nur auf seine Bedeutung als Philosoph in der Nachfolge Kants, sondern auch darauf, dass er 1819 aufgrund seiner Beziehungen zu Vertretern demokratischer Bewegungen der Zeit, insbesondere zu den Burschenschaften, ein jahrelanges Berufsverbot erhalten habe. Zur Zeit der DDR (1972 wurde das Denkmal am Fürstengraben erneuert) wurden einseitig nur die liberalen und demokratischen Ansichten von Fries hervorgehoben, seine antijüdischen Äußerungen hingegen verschwiegen.

Eine differenziertere Auseinandersetzung mit den philosophischen und politischen Arbeiten von Fries ist unerlässlich. Die genannten Zusammenhänge und Schriften werden gegenwärtig am Institut für Philosophie genauer untersucht. Auf Initiative des Fachschaftsrats Philosophie hat sich ein Arbeitskreis gebildet; weitere Aktivitäten, Diskussions- und Gesprächsrunden sind für das Sommersemester 2020 geplant, darunter auch ein Forschungsseminar „Antijudaismus und Antisemitismus in Werken der Philosophie – diskutiert am Beispiel des Jenaer Philosophen J. F. Fries“ am Arbeitsbereich für Philosophie mit Schwerpunkt Praktische Philosophie.

Bis zu einer abschließenden Einschätzung und einem Beschluss des Institutsrats darüber, wie mit der Ehrung von Fries im Hörsaal des Instituts umgegangen werden soll, wird die Büste [jpg 41KB] verhüllt bleiben.

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